Mein autonomes Kind: Willensstark, akzeptiert kein Nein, ausgeprägte Mimik, lebenshungrig.

Heute wollen wir die Erfahrungen mit unserem Sohn Liam (20 Monate alt) mit Euch teilen und Inspiration mit unserem Umgang mit ihm geben. Wir bemerkten kurz nach der Geburt bereits, dass Liam einen gewissen Gesichtsausdruck hatte. Diese Mimik kannten wir nicht bei 2 Stunden alten Babys. Erst später bemerkten wir immer mehr, dass sein Verhalten zu seinem Gesichtsausdruck passte. Es war ein Gesichtsausdruck, als würde er bereits eine eigene „Meinung“ über alle Dinge, die er erlebte haben, teilweise mit einem „mürrischen“, ernsteren Blick aus seinen Augen oder auf seiner Stirn erkenntlich. Denkfalte ;o)

Im Krankenhaus kam er mit einem guten Geburtsgewicht auf die Welt, wir sahen aber, dass er recht muskulär wirkte und auch schon seinen eigenen Kopf hatte, Dinge durchzusetzen.

Bereits mit wenigen Tagen/Wochen bemerkten wir, dass Liam nicht gerne Auto fuhr, man spürte, dass er es hasste in seiner Freiheit eingeschränkt zu werden, denn in so einem Sitz kann man sich ja nicht so bewegen, wie man mag.

 

 

Als er liegend oder krabbelnd später immer anstrengender wurde und wir mit viel ruhigeren Verhalten anderer Kindern verglichen, machten wir uns viele Gedanken über Erziehungsmethoden, um von Anfang an, das vermeintlich Richtige zu tun. Ganz stark spielen hier die älteren Generationen eine Rolle, die einem sowieso immer sagen, dass man nicht „hart“ genug ist. Nun gut, sie kommen eben aus Nachkriegszeiten.

Er wird nun gerade 20 Monate alt und ist sehr agil, extrem hungrig nach Action aller Art, lacht viel, will viel. Man spürt richtig, wie er den Alltag einfach nur erleben will und hungrig nach Leben ist. Was er aber besonders zeigt ist, das was er nicht will. Wenn er etwas nicht darf bzw. bekommt, gibt es kräftige Wein- und Wutausbrüche. Gut, das ist bei Kindern eher ein bekanntes Verhalten, nur bei Liam spürten wir es wieder im Vergleich zu anderen extrem intensiv. Hier stellt sich dann immer die Frage, was darf er wie oft und wann und was alles hintereinander, sodass wir den ganzen Tag kaum zum Sitzen kommen.

Nach diverser Recherche sind wir ggf. auf einer Spur zu seiner „Person“, zu seinem Verhalten und unseren Erziehungsmöglichkeiten gekommen. Wobei das Thema „ER“ziehung ja auch wieder ein Thema für sich ist.

Hierzu fällt mir gerade ein Video von Frau Vera F. Birkenbihl ein. Ein bedeutender Management Coach, Autorin und Psychologin etc.. In dem Video machte sie klar, dass wir alle mit riesigem Potential auf die Welt kommen und alle „besondere“ Menschen sein könnten – nur eines wird dies verhindern – die sogenannte Erziehung….danach würden alle „nur“ noch normal sein.

Eigentlich lustig, aber im tieferen Sinne sehr traurig. Eine tolle Frau die leider 2011 im Alter von 65 Jahren starb. Wir fanden jetzt in diverser Literatur und Nachfragen in Facebook Gruppen den Ausdruck des „Autonomen Kindes, geprägt von Jesper Juul“, welches zu unserem Wirbelwind Liam mehr als passend scheint.

Es sollen rund 15 % aller Kinder als autonome Kinder auf die Welt kommen und einige der folgenden Merkmale aufweisen:

  • Sie sind in erster Linie auf ihre eigenen Bedürfnisse, die sie genau kennen, konzentriert und wollen Diese auch durchsetzen.
  • Körperkontakt wie kuscheln wollen sie eher selten und vor allem nicht von den Eltern initiiert. Wichtig ist hier zu sagen, dass es auch verschmuste autonome Kinder gibt, die dann aber nur von sich aus kuscheln möchten.
  • Sie haben für ihr Alter ein recht reifes Verhalten, mögen keine Manipulation und erst recht keinen pädagogischen Umgang.
  • Ein „Ja“ von Ihnen ist nur dann ein „Ja“ wenn eine echte Wahlfreiheit vorhanden ist. Sie wollen mit den Eltern auf „Augenhöhe“ kommunizieren und „freiheitlich“ verstanden und „gelebt“ werden.
  • Authentizität wird als Lösungsweg von den Eltern abverlangt. Also echte ehrliche Worte und dazu echte ehrliche Mimik und Handlungen. Das aufzeigen von echten Wahlmöglichkeiten in allen Lebensbereichen und das ehrliche Interesse am Kind, WAS ES WIRKLICH WILL.
  • Es sollte alles offen kommuniziert und in der „ICH“ Form formuliert werden. „Ich möchte, dass Du…“
  • Dem Kind sollen Wahlmöglichkeiten in Sachen Zeit, Varianten, Ablauf und Materialien gegeben werden (wie auf einem Buffet). „Du kannst diese oder diese Hose anziehen, aber ich möchte, dass Du heute eine Hose anziehst“ – dann eine Pause einräumen, sodass das Kind das Gefühl hat, es entscheidet selbst.
  • Pädagogische Raffinesse, Machtkämpfe oder unfreiwillige Körpernähe sollen vermieden werden. Bitte beachten, damit ist die Nähe gemeint, sich ständig dem Kind aufzudrängen, klingt hart, ist es aber weniger, da Kinder von sich aus eigentlich sehr viel Nähe einfordern.
  • Der respektvolle Umgang soll sehr stark im Vordergrund stehen. Dies zeigt uns als Eltern jetzt, dass diese rund 15 % aller Kinder, wirklich von SICH aus viel herausfordernder und viel anstrengender sind, als die Kinder, die eben erzieherisch leichter zu Händeln sind.

 

 

Im Wort „Erziehung“ steckt eben auch das „dran herumziehen“ drin, was wie oben erwähnt, zur „NORM-alität“ hinführt. Aber was wollen wir sein? Normal oder Glücklich?

Wir kommen jedenfalls sehr oft körperlich und emotional an unsere Grenzen. Das Wissen über gewisse „Besonderheiten“ macht es aber etwas leichter, vielleicht sogar freudiger, einen Jungen „mehr begleiten“ zu dürfen, der SEINEN Weg ins Glück gehen möchte.

Wir werden unsere Hand immer DA haben, nehmen wird er sie, wenn er es will! Das sich diese Sichtweise nicht auf Situationen beziehen kann, welche fürs Kind gefährlich sein können, versteht sich von selbst. Da gibt es „DIE HÄNDE“ ob er es will oder nicht! In der Hoffnung selbst alles richtig zu machen und Euch zum Nachdenken anzuregen…

Absolut vermieden werden soll jegliche Pädagogik und jeglicher Machtkampf. Hier zählen Ehrlichkeit und Kompromisse für eine zufriedene Beziehung zueinander.

Nachtrag; Diesen Artikel haben wir vor ein paar Tagen geschrieben. Heute kann ich Euch sagen, dass ich nun seit 3 Tagen viel weniger Wutanfälle, Tränen und ein leichteres Miteinander spüre, ich bin total begeistert. Theorie passt hier zur Praxis.

Geprägt hat  Jesper Juul diesen Begriff und in seinem Buch Elterncoaching  (Sponsoring/Affiliate-Link) geht er auch auf autonome Kinder ein. Anbei der Link zu dem Buch.

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(Bildquelle Amazon.de)

 

Eure Leichter Leben Family und besonders der kleine Liam, siehe Foto unten ;o)

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13 Kommentare

  1. Veröffentlich von Christin am 21. Mai 2016 um 13:40

    Hahaha, fast der gleiche Artikel schlummert bei mir gerade noch in den Entwürfen! Ich habe neulich auch das Buch Elterncoaching von Jesper Juul gelesen und hatte bei dem Interview zum autonomen Kind ein großes Aha-Erlebnis bezüglich meines Sohnes. Ich habe daraufhin auch die „Buffet-Methode“ verwendet und festgestellt, dass es damit spürbar zu weniger Konflikten kommt.
    Alles Gute euch!
    Christin



    • Veröffentlich von Peer am 22. Mai 2016 um 9:51

      Hallo Christin, oh das höre ich gerne, noch mehr Gleichgesinnte. Es freut mich, dass Du auch den Weg gefunden hast. Bei uns ist es täglich jetzt viel einfacher, er ist so lieb geworden, ich meinte, er akzeptiert auch einfach mal ein Nein, weil ich ihm Auswege biete, das ist einfach so schön. Alles Liebe für Euch, Janina



  2. Veröffentlich von Silke am 21. Mai 2016 um 13:48

    Ich habe auch so einen autonomen jungen Mann zu Hause und ja, ich komme regelmäßig an meine physischen und psychischen Grenzen. 🙂



    • Veröffentlich von Peer am 22. Mai 2016 um 9:52

      Hallo Silke, hast Du Dich mal mit den Tipps ausprobiert? Mach das mal gerne, wir haben wie beschrieben wirklich sehr guten Erfolg damit und sind alle glücklicher. Liebe Grüße Janina



  3. Veröffentlich von Nadine am 21. Mai 2016 um 19:32

    Hallo ihr Lieben,
    an genau demselben Thema mit demselben Buch arbeiten wir gerade 😀 Jetzt seid ihr uns zuvor gekommen 😛 Unser Großer ist nämlich auch so ein Exemplar. Als er auf die Welt kam, hatte er trotz dass er 5 Wochen zu früh kam diesen Ausdruck in den Augen, als wüsste er bereits alles. Wir sind vor einiger Zeit auf die Begrifflichkeit gestoßen und haben schnell festgestelllt, dass das haargenau auf unseren Jungen passt 🙂
    Liebe Grüße,
    Nadine und der Rest der Ökofamilie



    • Veröffentlich von Peer am 22. Mai 2016 um 9:52

      Hey Nadine, ich habe Dir ja schon privat geantwortet. Auf Euren Artikel bin ich gespannt, den darfst Du hier dann gerne im Kommentar posten, wenn Du magst. Alles alles Liebe Janina



  4. Veröffentlich von Yassi am 23. Mai 2016 um 17:03

    Oha. Das kommt mir sehr bekannt vor 😀 Und Leute erklären dich entweder für verrückt oder halten dich für unfähig dein Kind unter Kontrolle zu bringen. Meine Einjährige kann locker vier Erwachsene gleichzeitig auf Trab halten 😛 Aber so ist es mir eigentlich auch lieber. Wenigstens weiß sie was sie will 😉



    • Veröffentlich von Peer am 25. Mai 2016 um 20:10

      hahaha…ja, richtig….selbst die Familie findet unsere Art damit umzugehen oftmals nicht passend ;o)



  5. Veröffentlich von Jenniffer am 23. Mai 2016 um 21:00

    Liebe Peer, das Foto ganz unten ist ja klasse. So ungefähr sieht es hier auch aus 😉 Unser Sohn ist 17 Monate alt und ein echter Wirbelwind.

    Als ich Deinen Artikel gelesen habe, ist mir folgender Spruch eingefallen: „Jeder Mensch wird als Unikat geboren, doch die meisten sterben als Kopie.“ Umso wichtiger, dass wir den kleinen Menschen Raum und Zeit geben, das sein zu können, was sie sind. Sie haben alle Anlagen bereits in sich vereint, wenn sie auf die Welt kommen, davon bin ich überzeugt.

    Der respektvolle Umgang mit unseren Kindern ist die Kernkompetenz. Darauf kommt es an. In dem Buch „In Liebe wachsen“ heißt es: „Es gibt Dinge, die gehören sich einfach nicht.“ Diesen Satz finde ich großartig, denn er spiegelt wider, was sich grundsätzlich nicht gehört. Warum sollten wir mit unseren Kindern anders umgehen als mit anderen Erwachsenen?! Gehen wir also in einer BEziehung mit unseren Kindern. Sie werden es uns später (und vielleicht auch schon jetzt) danken!



    • Veröffentlich von Peer am 25. Mai 2016 um 20:08

      Hallo Jenniffer, tolle Worte von Dir – vielen Dank! Ja, der Spruch mit der „Kopie“ passt wirklich gut ;o) Liebe Grüße



  6. Veröffentlich von Reizüberflutung bei Babys + Kleinkindern - Leichter Leben Family am 6. Juni 2016 um 15:02

    […] sind mit einem sehr aufgeweckten Kind (Mein autonomes Kind) gesegnet und dies seit seiner Geburt. Leider hatten wir auch sehr lange die s. g. 3-Monats-Koliken. […]



  7. Veröffentlich von Frühlingskindermama am 9. Juni 2016 um 21:48

    Hallo,

    danke für Deinen Text, ich habe ihn in Teil 2 meiner 4 Texte über Autonome Kinder unten verlinkt, da ich alles sammle, was dazu geschrieben wird.
    http://fruehlingskindermama.blogspot.de/2015/01/autonome-kinder-teil-2.html
    Viele Grüße!



    • Veröffentlich von Peer am 10. Juni 2016 um 8:02

      Hallo, das ist lieb, danke. Deine Berichte haben uns sehr geholfen. Viele Grüße und Dir einen schönen Tag, Janina